Wie Sungura zur Sonnenblume kam …
oder: Sunguras Traum von Gesine Reinicke

Es war ein nasser, trüber Tag unter schwerem Wolkenhimmel. Weite Felder voller Sonnenblumen leuchteten dennoch über das Land. Unter dem Regen neigten sie die dunkel schimmernden, feuchten Gesichter zu Boden. Ein erfrischender Tag als Abwechslung von der Sommersonne, bestätigten sie einander nickend und tranken durch ihre Wurzeln vom kühlen Nass. Da bemerkte die neugierigste aller Sonnenblumen am Fuß ihres Stammes ein kleines blaues, offenbar wurzelloses Wesen. Es hatte sich unter ihr erstes, niedrigstes Blatt geschmiegt und schlief. Dabei zuckte es hin und wieder unruhig mit seinen vier Stängeln, das konnte die Sonnenblume spüren.

Ach nein, nicht Stängel, sondern Beine hatte sie die großen, aufrechten Wurzellosen dazu sagen hören. Sie dachte an jene hellgesichtigen Wesen, die manchmal auf ihren zwei Beinen ins Feld traten, wo sie den Sonnenblumen übers Gesicht strichen und dabei jedes Mal irgendwie aufzublühen schienen. So etwas Interessantes passierte allerdings eher bei trockenem Wetter, die Sonnenblume hatte dann sogar schon einige Gespräche unter Zweibeinern aufgeschnappt. Leider konnte sie nie folgen, wenn diese auf ihren Beinen außer Hörweite verschwanden. Sie musste stehen bleiben. Doch Tag oder Nacht, bei jedem Wetter, kamen und gingen ringsum zahllose andere Wesen mit wenigen oder vielen Beinen, kleine und größere, stachlige, glatte, haarige und geschuppte, die schnell vorbeihuschten oder langsam und vorsichtig zwischen den Stämmen der Sonnenblumenfamilie vorankamen. All diese Wesen verfolgten ihre eigenen wurzellosen Lebenswege, von denen die Sonnenblume sehr gern mehr verstanden hätte. Manche brauchten nicht einmal den Boden, um ihre Beinstängel zu tragen. Sie wedelten mit verschieden geformten, bunt gefärbten Blättern, die ihnen aus der Mitte wuchsen und bewegten sich damit so leicht durch die Luft, dass die Sonnenblume sich nur wundern konnte. Bis sie ihr auf der Stirn oder mitten im Gesicht landeten, wo manche hauchzart kitzelten und lautlos wieder davon segelten, während andere frech nach ihren unreifen Kernen stocherten und schrilles Geschrei veranstalteten. Es gab auch andere lästige oder sogar für eine Sonnenblume gefährliche Wesen, aber dieses kleine hellblaue gehörte doch wohl nicht zu jenen, oder? Es schien keine extra Blattwedel in der Mitte zu haben, obwohl ihm zwei verdächtig lange Knospen oder so etwas Ähnliches über dem Gesicht wuchsen, viel länger und vor allem viel himmelhellblauer, als die Sonnenblume je zuvor an einem blattlosen Wesen beobachtet hatte.

Der Regen hatte nachgelassen, die dunklen Wolken hellten sich langsam auf. Die neugierige Sonnenblume glaubte zwar nicht, dass das kleine blaue Bündel, das sie mit ihrem Blatt zugedeckt hielt, zu den ganz frechen Wurzellosen gehören könnte. Dennoch, vielleicht regte sich in ihrem Innern kurz ein leiser Zweifel. Vielleicht war es auch das gelegentliche, zarte Beben des schlafenden Wesens, das die Sonnenblume durch ihr Blatt und ihren Stamm entlang zittern fühlte. Oder vielleicht trug ein Windstoß dazu bei, den sie gar nicht bewusst wahrnahm. Jedenfalls überlief die ganze große Pflanze plötzlich ein heftiger Schauder und aus ihren Blütenblättern regnete eine Dusche gesammelter Tropfen nieder. Das Wasser platschte genau dort auf, wohin sie ihr Gesicht geneigt hatte, genau auf das kleine hellblaue Gesicht, das da mit seinen zwei langen Knospen über der Stirn unter ihrem ersten Blatt hervorlugte. Die Sonnenblume erschrak. Denn in Reaktion auf die plötzliche Tropfendusche wachte das Wesen mit einem überraschend kräftigen Hopser auf. Es stolperte gegen den Stamm der Sonnenblume, wischte sich mit den vorderen Beinen etwas Wasser vom Gesicht, um gleich darauf in die andere Richtung zu taumeln und schlaftrunken über das Sonnenblumenblatt zu purzeln, das es beim Hochspringen beiseite gefegt hatte. Die Sonnenblume wünschte so sehr, es möge sich nicht sofort zusammen rappeln und davon hoppeln. Und tatsächlich, für einen Moment blieb das hellblaue Wesen stocksteif auf ihrem Blatt hocken.

Jetzt musste die Sonnenblume lächeln. Dieses Wesen benahm sich wirklich nicht gefährlich. Indem ihr Gesicht von innen her aufleuchtete, überlief sie schon wieder ein Schauder, sie wusste nicht wieso, und ein paar letzte Tropfen fielen ihr aus dem Gesicht. Wieder wären sie beinahe auf dem hellblauen Wesen gelandet, das wie ein Häufchen zusammengekauert unter ihr saß, doch die Sonnenblume zog schnell ihr Blatt unter ihm hervor und beschirmte es damit. Die Tropfen klatschten laut auf das Blatt. Das war alles. Kein Laut. Keine Bewegung. Ob das Wesen überhaupt kein Lebenszeichen von sich geben würde nach dieser zweiten Dusche, die es unter ihrem Blatt knapp verpasst hatte? Endlich, ganz langsam, schob sich erst eine der blauen Knospen unter dem Blatt hervor, dann die zweite. Sie drehten sich hin und her, fast wie junge Sonnenblumen auf ihren Stängeln im lauen Wind, und schon kam das hellblaue Gesicht mit glänzenden Augen zum Vorschein und blinzelte in die Richtung, aus der eben die Tropfen gekommen waren: Das durchnässte hellblaue Gesicht des kleinen Wesens und das dunkle, noch immer leicht feucht schimmernde Gesicht der leuchtenden Sonnenblume nickten einander vorsichtig, neugierig zu.

Dann geschah so etwas wie ein Wunder. Fand die Sonnenblume, als sie später Zeit hatte, darüber nachzudenken: Denn das kleine hellblaue Wesen schob sich entschlossen ganz unter ihrem Blatt hervor, richtete sich auf und schien zu wachsen auf seinen hinteren Beinen, während die vorderen entspannt auf seiner Mitte ruhten. In seinem Gesicht öffnete sich eine tiefe Grube, ein Mund? Ein Mäulchen oder Maul, Schnute oder Schnabel? Diese Wörter hatte sie von den Zweibeinern aufgeschnappt. So etwas besaßen nämlich alle Wurzellosen; sie konnten ja nicht aus dem Boden Nahrung aufnehmen und mussten darum essen. Das wusste die Sonnenblume. Zudem kamen aus diesen Mündern häufig Geräusche aller Art. Aber kaum je konnte die Sonnenblume die Töne der Wesen richtig verstehen, so viele sie auch hörte – mit Ausnahme der großen Zweibeiner. Und, wie sie jetzt merkte, mit Ausnahme dieses kleinen blauen Wesens, das da vor ihr saß und zu ihr aufblickend plötzlich sagte: „Du leuchtest so schön. Du bist wie eine aus der Erde wachsende Sonne! Du bist doch eine Blume, ja? Aus dem Dunkeln wachsend, leuchtend wie die Sonne? Oh, Sonnenblume! Von dir habe ich geträumt. Dich hab ich schon so lange gesucht. Glaube ich jedenfalls…“ Beim letzten Satz begann es wieder leicht zu beben und kauerte sich zusammen auf seinen vier Beinen. Ob das kleine Wesen etwa fror? Da sagte es noch etwas, ganz leise: „Ich brauche deine Hilfe.“ Die zwei komischen langen Knospen über dem kleinen blauen Gesicht standen hoch, während es redete, um nach dem letzten Satz wie welkende Blütenblätter langsam herunterzusinken. Das blaue Wesen rührte sich nicht, fast als wäre es neben ihr im Boden verwurzelt und für einen zeitlosen Moment genoss die Sonnenblume dieses Gefühl still für sich. Außerdem fehlten ihr ein bisschen die Worte. Sie fühlte sich dem kleinen Wesen plötzlich so nahe – und sie fühlte seine Worte wie ein inneres Leuchten in sich, warm und schimmernd.

Endlich fragte sie: „Was bist du denn eigentlich für ein blaues Wunder?“ Die Sonnenblume wusste keinen besseren Namen. „Und was sind das für lange Knospen da, über deinem Gesicht?“ wollte sie auch noch wissen. „Ach, du meinst meine Ohren? Die sind so lang, damit ich alles besser hören kann, was vielleicht wichtig ist. Sogar Geheimnisse oder wenn mich jemand von ganz weit weg ruft!“ Dabei drehte das kleine Wesen seine Lauscher wie Löffel hin und her. „Oh,“ machte die Sonnenblume, „dann bist du also ein ganz mutiges Langohr, das anderen helfen will? Und dabei kann ich dir womöglich eine Hilfe sein?“ Das kleine Langohr sah erst aus, als würde es gleich wieder bebend erstarren. Doch dann richtete es die Löffel auf und sagte:

„Ich bin Sungura. Sungura heiße ich, und Sungura bin ich. Denn in Afrika, wo mein Name herkommt, nennen sie meine Verwandten alle so. Ich stamme aus einer weit verzweigten Familie. Und mit dem Mut ist das so eine Sache: So verschieden all meine Verwandten, meine Brüder und Schwestern, Tanten und Onkel , Cousins und Cousinen an allen Enden der Welt leben, in einem sind sie einig: Irgendwie wollten alle in meiner Familie schon immer ganz besonders mutig oder witzig oder schnell oder stark sein. Manche sind mit ihren Tricks sogar berühmt geworden und manch andere haben sich blamiert , aber ich fürchte, niemand in meiner ganzen Familie war je so jämmerlich ängstlich wie ich. Weißt du, die meisten von uns wohnen in Erdbauten. Wir alle kennen das Dunkel unter der Erde und das Dunkel der Nacht. Von Geburt an. So ist das eben bei uns, wenn die Sonne schläft. Sagen sie. So ist das eben bei uns im Bau. Und wenn ich dennoch Angst habe, mich im Finstern zu verirren? Du hast Fühlhaare, um den Weg zu finden, sagen sie. Du bist ein Langohr und hast lange Lauscher, um dich zu orientieren, sagen sie. Ich weiß. Ich bin Sungura. Und hab trotzdem Angst im Dunkeln. Aber das zu sagen trau ich mich nicht. Schon wieder aus Angst. Was passiert, wenn sie mich einfach nicht verstehen? Hin und her denke ich dann, und so lieg ich viel zu oft in der Dunkelheit wach und kann nicht einschlafen. Oder ich wache auf und es fühlt sich an, als könnte es nie wieder hell werden. Dann fühl ich mich so hilflos und allein, so will ich gar nicht sein! Darum schlafe ich nachts nicht gut. Also nicke ich oft tagsüber irgendwo ein. Und manchmal träume ich davon, es könnte anders sein. Wache ich dann ganz verwirrt auf, machen sich die anderen über mich lustig. Aber du nicht, oder?“ Die Sonnenblume antwortete, indem sie ihr Gesicht sanft hin und her wiegte: „Nein, ich mache mich nicht lustig. Ich höre dir zu. Erzähl mir mehr von dir, Sungura.“

Und Sungura erzählte: „Weißt du, eben zum Beispiel, ich wollte allein sein, um nachzudenken ohne gleich wieder geneckt zu werden. Ich war so müde, aber ich hab an meinen Traum gedacht, deswegen hab ich mich ja auf die Suche gemacht, nur hab ich wohl gar nicht gemerkt, wo lang ich gelaufen bin… Dann konnte ich nicht mehr weiter, und es begann auch noch zu regnen, aber da fand ich etwas Stabiles zum Anschmiegen und etwas Weiches zum Zudecken vor dem Regen. Und trotz des dunklen Himmels hatte ich gar kein dunkles Gefühl. Von Anfang an hab ich dich wohl über mir leuchten gefühlt… Und weißt du was: Genau davon hab ich doch geträumt, immer wieder, wenn ich mal entspannt aufwachte und mich erinnern konnte: In meinem Traum weiß ich, ich bin nicht hilflos. Ich muss nie Angst mehr vor der Finsternis haben, wenn ich der lebendigen Kraft des Dunklen begegne in dem Gesicht, das aus dem Dunkel der Erde wächst und doch wie die Sonne leuchtet. Sonnenblume, du bist es. Dich hab ich geträumt. Willst du meine Sonne in der Dunkelheit sein? Ich müsste mich nie mehr so allein und im Finstern verloren fühlen und könnte mit meiner Angst anders umgehen lernen. Vielleicht bräuchte ich nicht mal wirklich mutig werden, nur so dass ich die Augen schließen kann, wenn ich müde bin, ohne Furcht vor der Nacht. Dann würde ich mich tagsüber lebendiger fühlen. Ich will doch keine Schlafmütze sein, ich bin ein Langohr! Und darum will ich endlich lernen mit meinen langen Lauschern noch genauer hinzuhören. Gemeinsam mit dir könnte ich bald vielleicht wirklich denen helfen und Mut machen, die ich rufen höre… Verstehst du mich, du helle Sonnenblume?“

Die Sonnenblume lächelte über ihr ganzes dunkles und doch leuchtendes Gesicht: „Sungura, du kleines blaues Wunder, ich verstehe dich. Auch wenn ich nicht jedes Wort verstehe, begreif ich genau, dass du mir gerade ganz mutig, nämlich ehrlich und aufrecht deine Gefühle und Gedanken, deine Angst und deine Hoffnung erklärt hast, obwohl du dich klein und verloren fühlst, und obwohl du mich eigentlich gar nicht kennst: Das ist, denke ich, einer der mutigsten und wichtigsten Schritte auf einem Lebensweg. Solch einen Schritt könnt nur ihr Wurzellosen tun, und ihr könnt ihn immer wieder wagen: Auf jemanden zugehen und euch öffnen, damit die Angst raus kann. Ich verstehe jetzt, dass du nicht etwa vor Kälte gefroren hast. Aber schau, während wir jetzt reden, zitterst du kein bisschen und dein blaues Fell strahlt so voller Hoffnung wie da hinten der klare Himmelsfleck zwischen den Wolken. So ein mutiges blaues Wunder bist du und sollst du immer wieder sein.“

Sungura wurde ein bisschen lila um die Nase. Und lächelte strahlend. Und dann reckte sich das Langohr ganz weit hoch und flüsterte so laut, dass die Sonnenblume es genau verstand: „Du, schöne Sonnenblume, du leuchtest nicht nur, du machst auch mich leuchten! Außerdem möchte ich dir noch viel mehr erzählen… Es gibt da tatsächlich eine Geschichte, warum mein Fell so himmelhellblau ist, die möcht ich auch gern mit dir teilen, liebe Sonnenblume, vielleicht ein andermal? Tatsächlich habe ich mir mein himmelhellblaues Fell selbst gewünscht, als ich die Gelegenheit hatte. Damals dachte ich, das hilft gegen die Angst, aber eins hatte ich übersehen: Die Finsternis verschluckt nachts jedes Mal mein Himmelsfell genauso wie alle anderen Farben und Formen. Warum verschluckt sie nicht die Angst gleich auch mit, die dumme Dunkelheit?! Das werd ich ihr heute mal sagen, dieser finsteren Dunkelheit, wenn sie kommt… Dass sie meine Angst auch gleich mit verschlucken kann, die kann sie behalten. Alles wird anders, nicht nur im Traum, wenn ich weiß, ich bin nicht allein, egal, wohin ich geh. Wenn du mir leuchtest, wenn du bei mir bist, ach, Sonnenblume…“

Die Sonnenblume wiegte wieder sachte den Kopf. „Weißt du, ich käme gern mit dir… Aber siehst du: Zwar leuchte ich dir gern, aber ich kann dafür nicht vom Fleck hier. Wo ich wachse, werde ich alt. Bis du gekommen bist heute, hab ich mich immer nur mit benachbarten Sonnenblumen unterhalten, die allerdings allesamt ziemlich genau dieselben Erlebnisse teilen wie ich, weshalb es manchmal ein wenig langweilig wird… Hin und wieder habe ich ein paar dieser Zweibeiner reden hören, deren Sprache du auch sprichst. (Woher eigentlich?) Und ja, ich bin eine sehr neugierige Sonnenblume, ich will gern noch so viel Neues entdecken, Lebenswege begleiten. Wenn du kleines blaues Wunder gangbare Wege findest, mir zu helfen, dass ich nicht nur hier auf dem Feld gedeihen kann, indem vielleicht meine Wurzeln mitnehme (und ich weiß noch nicht wie das denn gehen soll) um sie wieder in neue Erde zu senken, wo ich wachsen und für dich leuchten kann: Dann will ich gern mit dir gehen, Sungura, und werde bei dir bleiben um auf all unseren gemeinsamen Wegen zu leuchten, wohin auch immer sie führen.“

Es scheint, dass Sungura einen Weg fand, die Sonnenblume mit sich zu tragen, in der Hand oder auch im Herzen, denn seit jenem Tag wurde „Sungura mit der Sonnenblume“ bekannt durch viele mutige und hilfsbereite Taten und die langen Ohren von Sungura hörten wohl mehr Geheimnisse, als selbst die Sonnenblume wusste… Dafür kannte die Sonnenblume ein Geheimnis, von dem niemand sonst etwas ahnte: Wie niemand gewusst hatte, dass Sungura früher so große Angst vor der Dunkelheit gehabt hatte, wusste auch niemand außer der Sonnenblume, dass Sungura nun jede Nacht bestens schlief – und manchmal leise schnarchte, dass die langen Löffel bebten.

P.S.: Für alle, die sich für Sunguras (gedankliche) Wurzeln und für die weitläufige Verwandtschaft des kleinen hellblauen Langohrs interessieren, sind die Links in den folgenden Anmerkungen zu der obigen Geschichte gedacht. – Ihr findet schon heraus, was für euch passt, was eure Neugier weckt.


Anmerkungen
1. Sungura ist ein Name aus dem Swahili, mit dem alle Langohren bezeichnet werden, wie z.B. hier nachzuschlagen. (Ihr könnt auch herausfinden, was z.B. „Alizeti“ bedeutet… oder eigene Lieblingswörter ins Swahili übersetzen!)

2. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist ein Onkel von Sungura, Brer Rabbit (Bruder Kaninchen) sehr bekannt geworden. Vermutlich haben sich Geschichten, die schwarze Sklaven aus Afrika untereinander erzählten, und Geschichten der amerikanischen Ureinwohner vermischt. Sie wurden besonders beliebt und verbreiteten sich, mündlich nacherzählt, im Süden der USA. Zu den Abenteuern dieser so genannten Trickster-Gestalten, zu denen Brer Rabbit gehört, gibt es viel Literatur, aber wenig davon auf Deutsch. Hier eine besonders bekannte Geschichte, erzählt auf Englisch mit ein paar Eigenheiten, die an die mündliche Kreol-Sprache früherer Erzähler erinnern: americanfolklore.net/folklore/2010/07/brer_rabbit_meets_a_tar_baby.html
(Einen sehr guten deutschen Aufsatz gibt es, der in der Reihe „Gegen den Trend“ (2000) herausgegeben wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Niedersachsen. „Von Helden und anderen Lichtgestalten“ widmet sich der Bedeutung von Vorbildern als Orientierungshilfe und berücksichtigt auch Trickster-Gestalten; er ist allerdings eher für ein erwachsenes Publikum gedacht: www.aejn.de/uploads/media/gdt_2000_01.pdf
Die Bedeutung der „Entwicklungshilfe“, die fabelhafte Gestalten wie Trickster und Schelme leisten können, wird mit verschiedenen Beispielen erläutert in dem Kapitel „Helden – Begleiter auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit“; ein Fazit dazu auf S. 21: „Die Botschaft der Hasenerzählungen: Nutze deine Möglichkeiten auch für andere.“ Auch und gerade in diesem Sinne verstehe ich die Begegnung von Sungura mit der Sonnenblume als lebensbejahende Symbiose zweier keineswegs vollkommener Lichtgestalten.)

3. Eine Geschichte, die mit Übermut, aber auch mit dem Mut eigene Fehler einzugestehen zu tun hat, erzählen die Shona über einen von Sunguras Verwandten. Ihr könnt sie hier nachlesen:
www.afrika-junior.de/public/textauszuege/kindertexte/Der_Hase_und_die_Tiere.pdf
(Sie entstammt dem afrikanischen Tiermärchenbuch „Wie Zebra zu seinen Streifen kam“ – mehr darüber und noch viel mehr Geschichten zum Lesen und Hören, Musik und aktuelle Informationen könnt ihr auf der extra für Kinder und Jugendliche gemachten Plattform www.afrika-junior.de/de/ finden und spannende, vielseitige Einblicke gewinnen in die Welten afrikanischer Kulturen!)

4. Wollt ihr die Geschichte aus Swasiland hören, wie sich Sunguras Cousin Mofuli einmal gründlich blamiert hat? Dann haltet die Löffel steif und lauscht hier rein:
www.afrika-junior.de/public/sounds/de_kids/maerchen/Wettlauf_zwischen_Hase_und_Schildkroete.ogg
(Vielleicht kommt euch das Ganze sogar bekannt vor? Wenn ja, überlegt mal, woher… was ist ähnlich, was anders?)

5. Möglicherweise meinen es die anderen gar nicht wirklich böse, wenn sie z.B. das Sungura-Lied aus Kenia singen:
www.labbe.de/liederbaum/index.asp?themaid=57&titelid=743
(Wie versteht ihr dieses afrikanische Lied? Wollt ihr lernen, es zu singen, gar neue, eigene Strophen anbringen?)

6. Wie kam Sungura zu himmelhellblauem Fell? Vielleicht weiß die Schildkröte Fudukazi eine Antwort zu geben:
www.afrika-junior.de/de/kinder/hoerbuecher/der-zauber-der-schildkroete.html
(Womöglich habt ihr eine Idee? Wollt ihr die Geschichte, wie Sungura zu derart blauem Fell kam, selbst erzählen?)

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